Technologie-Standard · CharIN & ISO 15118-20

Was ist das Megawatt Charging System (MCS)?

Das Megawatt Charging System (MCS) ist der weltweite Standard von CharIN für schwere Nutzfahrzeuge, Fernverkehr-Lkw, Busse, Fähren und Arbeitsmaschinen. CharIN nennt für MCS bis zu 1.250 V DC und 3.000 A DC; daraus ergibt sich rechnerisch eine theoretische Höchstleistung von bis zu 3,75 MW (3.750 kW). Erste Pilot- und Serien-Stationen in Deutschland stellen heute praxisgerechte 1.000 bis 1.200 kW bereit.

CharIN-Spezifikation & Grenzwerte im Überblick

Max. Normleistungbis 3,75 MWRechnerische Obergrenze
Max. Stromstärkebis 3.000 AAktiv flüssigkeitsgekühlt
Max. Spannungbis 1.250 VDC Gleichstrom
KommunikationEthernetISO 15118-20

Warum Pkw-Schnelllader (CCS) für Fernverkehrs-Lkw nicht ausreichen

Moderne batterieelektrische Fernverkehrs-Lkw (wie der Mercedes-Benz eActros 600, MAN eTruck oder Scania 45 R) besitzen Batteriekapazitäten von 500 bis über 800 Kilowattstunden (kWh). An einer herkömmlichen Pkw-Schnellladesäule mit Combined Charging System (CCS) und 350 bis 400 kW maximaler Ladeleistung dauert ein Nachladevorgang von 20 auf 80 Prozent rund 60 bis 90 Minuten.

Nach den gesetzlichen EU-Lenk- und Ruhezeitenvorschriften (Verordnung EG Nr. 561/2006) müssen Lkw-Fahrer nach spätestens 4,5 Stunden reiner Lenkzeit eine ununterbrochene Pause von mindestens 45 Minuten einlegen.

Das Kernziel von MCS: Ein vollständiger Ladehub für ca. 350 bis 400 km reale Lkw-Reichweite innerhalb der vorgeschriebenen 45-Minuten-Lenkzeitpause. Dafür sind reale Dauerladeleistungen von 750 bis 1.000+ kW erforderlich.

* Modellrechnung. Die tatsächliche Ladedauer hängt vom individuellen Fahrzeugmodell, der Batteriekapazität, der fahrzeugseitigen Ladekurve, dem Ausgangs-SoC und der Netzanschlussleistung ab.

Stecker-Geometrie und Flüssigkeitskühlung

Um Ströme von bis zu 3.000 Ampere sicher übertragen zu können, reicht eine passive Luftkühlung wie bei früheren Pkw-Ladesteckern nicht mehr aus. Das MCS-Ladesystem setzt auf:

  • Kompakte, dreieckig angeordnete Kontakte: Die Pins sind mechanisch robust gegen wiederholtes Stecken unter rauen Witterungsbedingungen ausgelegt.
  • Zweiweg-Flüssigkeitskühlung: Sowohl das Ladekabel als auch die Steckerkontakte werden im Betrieb aktiv durch ein Kühlmittel (Glykol-Wasser-Gemisch) temperiert, um Überhitzung zu verhindern.
  • Ergonomisches Kabelmanagement: Da flüssigkeitsgekühlte Megawatt-Kabel ein Eigengewicht von mehreren Kilogramm besitzen, verfügen MCS-Stationen über Balancer-Ausleger, die das Gewicht beim Einstecken kompensieren.

Standardisierung durch CharIN

Das System wurde federführend von der Charging Interface Initiative (CharIN e. V.) in enger Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern (u. a. Daimler Truck, Traton/MAN/Scania, Volvo Trucks) und Ladesäulenbauern (u. a. Alpitronic, ABB E-mobility, Kempower, Siemens) spezifiziert.

Die digitale Kommunikation zwischen Lkw und Ladesäule erfolgt über High-Speed-Ethernet nach ISO 15118-20, wodurch auch automatisierte Authentifizierung (Plug & Charge / AutoCharge) und bidirektionale Energierückspeisung (V2G) standardmäßig unterstützt werden.

Direkter VergleichMCS vs. CCS im Detailvergleich →Technische Daten, Steckermaße und Ladezeiten gegenübergestellt.Standorte in DeutschlandMCS-Ladeparks Verzeichnis →Alle aktiven und im Bau befindlichen Megawatt-Hubs an den Autobahnen.